14/01/2026
Frenotomie – Abschluss der Serie
Warum ein Schnitt allein oft nicht reicht.
Diese Serie war keine Kritik an Eltern und keine pauschale Ablehnung der Frenotomie.
Sie ist eine kritische, funktionelle Einordnung eines Eingriffs, der aktuell sehr häufig – und oft sehr früh – durchgeführt wird.
Beim Saugen an der Brust bewegt sich die Zunge nicht statisch, sondern in einer wellenförmigen Bewegung von vorne nach hinten.
Diese Bewegung erfordert:
• freie Zungenmotorik
• Koordination von Zunge, Mundboden, Zungenbein und Kiefer
• Ein stabiles Zusammenspiel mit Hals, Brustkorb und Haltung
Ein verkürztes Zungenband kann die Bewegung begrenzen –
aber nicht jede eingeschränkte Funktion ist automatisch ein zu kurzes Band.
In der Praxis prüfen wir deshalb u. a.:
• Kann die Zunge über den Lippenrand geführt werden, ohne V-Form?
• Ist eine Seitbewegung der Zunge möglich?
• Wie ist die Saugkraft und Ausdauer am Finger?
• Wie reagiert das Kind im Suchreflex?
• Wie sind Haltung, Spannungsverteilung und Statik im gesamten Körper?
Denn:
🔹 Eine Frenotomie verändert die Anatomie
🔹 Funktion entsteht erst durch Integration
Wenn Spannung, Haltung oder motorische Muster unverändert bleiben,
kann auch nach einem korrekt durchgeführten Eingriff keine nachhaltige Verbesserung eintreten.
👉 Mein Anliegen ist deshalb kein „Dafür oder Dagegen“,
sondern: erst verstehen – dann entscheiden.
Danke fürs Mitgehen durch diese Serie.