27/01/2026
Der Beitrag, in dem suggeriert wird, Supplements oder Hormone seien „meist völlig unnötig“ und die Angst vor den Wechseljahren vor allem ein „gutes Geschäft“, ist unfassbar anmaßend und in dieser Pauschalität hochproblematisch. Gerade in einer Zeit, in der viele Frauen berichten, von Gynäkolog:innen nicht ernst genommen zu werden, kaum Zugang zu qualifizierter Beratung zur Hormonersatztherapie (HET) haben oder aktiv davon abgehalten werden, wirkt eine solche Veröffentlichung wie ein Schlag ins Gesicht.
Was hier als vermeintliche Entdramatisierung verkauft wird, ist in Wahrheit eine gefährliche Simplifizierung. Die Wechseljahre sind kein Lifestyle-Phänomen, sondern eine komplexe endokrinologische Umstellungsphase mit potenziell erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen. Dass Verläufe individuell unterschiedlich sind, ist unbestritten – genau daraus ergibt sich jedoch die Notwendigkeit einer differenzierten, evidenzbasierten Beratung und Therapie, nicht deren Abwertung.
Besonders irritierend ist, dass eine Nicht-Gynäkologin die HET in einem derart abwertenden Ton als „gutes Geschäft“ framet, ohne die aktuelle Studienlage angemessen einzuordnen. Die Evidenz der letzten Jahre zeigt klar, dass moderne, richtig indizierte und individualisierte HET klimakterische Beschwerden wirksam lindern kann und darüber hinaus relevante protektive Effekte besitzt – insbesondere im Hinblick auf die kardiovaskuläre und osteologische Gesundheit. Diese Aspekte auszublenden oder zu bagatellisieren, ist fachlich nicht haltbar und potenziell fahrlässig.
Aus der praktischen Arbeit in der Frauenheilkunde ist hinreichend bekannt, welche tiefgreifenden gesundheitlichen Konsequenzen hormonelle und endokrine Dysbalancen nach sich ziehen können. Wenn Frauen pauschal vermittelt wird, ihre Beschwerden seien überzogen, lediglich ökonomisch „vermarktet“ oder grundsätzlich nicht behandlungsbedürftig, werden genau jene Abwertungsmechanismen fortgeschrieben, mit denen weibliche Gesundheit seit Jahrzehnten konfrontiert ist. Das stellt keinen zeitgemäßen medizinischen Diskurs dar, sondern einen klaren Rückschritt in der Wahrnehmung und Versorgung von Frauen.
Dass ein solch unkritischer Beitrag veröffentlicht wird, ist enttäuschend. Er verschiebt die Verantwortung weg von einer dringend notwendigen besseren Versorgung hin zu einer Individualisierung und Relativierung realer Beschwerden. Frauengesundheit braucht Aufklärung, Differenzierung und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Evidenz – keine ideologischen Verkürzungen und schon gar keine Narrative, die mühsam erkämpfte Fortschritte in der Frauengesundheit untergraben.
Supplements oder doch Hormone? Oft unnötig oder sogar gefährlich, sagt die Ärztin Kerstin Weidner. Die Angst vor den Wechseljahren sei vor allem eins: ein gutes Geschäft.