13/02/2026
GUTE I NACHT I GESCHICHTE
Ein Abenteuer unserer Klinikmöwe Rüdiger zum Lachen, Mitfühlen und Weiterträumen
Freitag, der 13.
Rüdiger war an diesem Morgen ungewöhnlich früh unterwegs. Nicht weil er fleißig war, sondern weil ihn der Hunger geweckt hatte. Mit einem eleganten, wenn auch leicht übermütigen Flügelschlag landete er auf der Kaikante im Wieker Hafen.
„So“, sagte er zufrieden, „der Tag kann beginnen.“
In genau diesem Moment räusperte sich jemand hinter ihm sehr laut. Rüdiger drehte sich um und blickte direkt in Carlos ernstes Gesicht. Der alte rotfellige Hafenkater saß kerzengerade da, die Pfoten ordentlich nebeneinandergelegt, als hätte er eine wichtige Ansprache vorbereitet.
„Heute“, begann Carlo feierlich, „ist kein gewöhnlicher Tag.“
Rüdiger zog eine Augenbraue hoch. „Sag mir bitte nicht, dass du Geburtstag hast.“
Carlo schüttelte den Kopf. „Schlimmer.“
Otto der Fischotter, tauchte aus dem Bodden auf, prustete einmal und wischte sich das Wasser aus den Augen. „Was ist schlimmer als Geburtstag?“ Carlo senkte die Stimme. „Freitag, der 13.“
Otto sah ihn lange an. Dann fragte er vorsichtig: „Ist das ein Tier?“
„Nein“, antwortete Carlo streng. „Das ist ein Unglückstag.“
Rüdiger setzte sich auf einen Poller. „Ein ganzer Tag soll Unglück bringen? Wie soll das denn funktionieren? Stolpert er jemanden an? Verlegt er Dinge? Verdreht er Schnürsenkel?“
Carlo nickte ernst. „So ungefähr.“ Otto kratzte sich am Kopf. „Ich bin heute schon zweimal ausgerutscht.“ Rüdiger grinste. „Du rutschst jeden Tag aus.“
„Eben“, meinte Otto. „Vielleicht ist es heute besonders rutschig.“
Um der Sache auf den Grund zu gehen, beschlossen die drei, den Tag ganz genau zu beobachten. Alles, was schiefging, sollte als Beweis gelten. Alles, was gut lief, wurde misstrauisch beäugt.
Keine fünf Minuten später blieb Carlo mit der Kralle an einem alten Tau hängen.
„Aha“, rief er triumphierend. „Unglück.“
Rüdiger sah sich das Tau an. „Das Tau liegt hier seit zehn Jahren. Du läufst seit zehn Jahren dagegen. Das ist eher Gewohnheit.“
Kurz darauf versuchte Rüdiger, besonders elegant zu landen, rutschte ab und landete unsanft auf dem Bauch. Otto klatschte vor Freude in die Pfoten. „Unglück.“
Rüdiger stand auf, schüttelte sich und sagte trocken: „Das war Übermut.“
Sie liefen weiter über das Klinikgelände. Türen öffneten sich. Kinder lachten. Eltern winkten. Niemand stolperte. Niemand bekam Pech. Niemand verlor etwas.
„Das Unglück ist heute aber gut getarnt“, murmelte Carlo.
Otto überlegte. „Vielleicht kommt es nur, wenn man ganz fest daran glaubt.“
Rüdiger nickte langsam. „Oder wenn man es sucht.“
Am Nachmittag beobachteten sie eine Möwe, die versuchte, gleichzeitig zu laufen, zu schreien und einen Keks zu bewachen. Das Ergebnis war vorhersehbar.
„Siehst du“, sagte Rüdiger, „das Unglück hat sich selbst erledigt.“
Als die Sonne unterging, saßen die drei wieder am Hafen. Der Tag war vergangen. Kein Drama. Kein Chaos. Kein Pech.
Carlo seufzte. „Vielleicht ist Freitag, der 13., gar kein Unglückstag.“
Otto grinste. „Vielleicht ist er nur ein ganz normaler Tag mit schlechtem Ruf.“
Rüdiger lächelte zufrieden. „Dann sollten wir ihn morgen in Ruhe lassen.“
Carlo nickte. „Abgemacht.“ Otto gähnte. „Ich mag Tage, die sich als harmlos herausstellen.“
Der Hafen wurde still, die Lichter spiegelten sich im Wasser.
Gute Nacht, Ihr kleinen und großen Leser.
Manchmal ist das größte Unglück nur eine Geschichte. Manchmal ist ein Freitag, der 13., einfach ein ganz gewöhnlicher Tag, der beweisen wollte, dass er besser ist als sein Ruf. 🌙
Idee & Storyboard Jens Meckel
BEWUSST. AOK-Klinik Rügen
BEWUSST. Begeisterung ↩️
BEWUSST. Like & Love