09/03/2026
Der Unterschied zwischen TCM und klassischer chinesischer Medizin (ein bisschen Geschichte):
Im alten China war es üblich, dass man sich, wenn man etwas lernen wollte, einen Lehrer suchte und alles lernte, was er zu bieten hatte.
Es gab unzählige Systeme in der Medizin, z. B. die Feuerschule, die Kälteschule, die Flüssigkeitenschule usw.
Die Meister waren immer auch Ärzte, so dass in der Praxis gelernt werden konnte und musste.
Jede Methode war über Jahrhunderte erprobt, vom Meister an seine Schüler weitergegeben, in sich geschlossen.
Methoden, die in der Praxis nicht funktionieren, starben aus.
1966 begann in China die „Kulturrevolution“ (übrigens auch in einem Feuerpferd-Jahr!), die von Mao Zedong und der Kommunistischen Partei Chinas begonnen wurde und die unter anderem „die vier Alten“ ausmerzen wollte:
Denkweisen, Kultur, Gewohnheiten und Sitten.
Es begann eine grauenhafte Zeit, in der die weisen Menschen und Intellektuellen (und nicht nur die!) vielfach ermordet oder, wenn sie Glück hatten, nur „umerzogen“ wurden.
Es wurden zwischen Hunderttausenden und Millionen Menschen umgebracht, die genaue Zahl ist nicht bekannt. Die Kulturrevolution dauerte 10 Jahre und wurde später als „10 Jahre Chaos“ bezeichnet.
In dieser Zeit wurde die TCM etabliert. Man nahm „das Beste“ aus den verschiedenen Schulen und Richtungen und machte daraus ein einheitliches System, das nun in den Universitäten gelehrt werden konnte.
Man kann sich das in etwa so vorstellen, als ob eine politische Partei beschließt, aus dem Besten aus Dressurreiten, Westernreiten, Doma Vaquera, Islandpferdereiten, akademischer Reitkunst etc. eine Reitlehre zusammenzubauen, die ab jetzt für alle gilt. Und zwar unter Strafandrohung!
Zum Glück konnten auch einige gelehrte Menschen ins Ausland fliehen und ihr Wissen dort in Schulen verbreiten.
Und so kommen die alten Wissensschätze nun auch langsam in Europa an und werden hier zur Unterscheidung zur TCM nun Klassische Chinesische Medizin genannt, obwohl es viele völlig unterschiedliche Lehren sind, wie z. B. die der Himmelsstämme und Erdenzweige, die des Shang Han Lun und Jin Gui Yao Lue usw.
Da kann man sich nun, wie im alten China eine/n Lehrer/in aussuchen und alles lernen, was er/sie zu bieten hat.
Hat man sich für ein System entschieden, sollte man dabei bleiben, denn mischt man die Methoden und sucht sich von allem „das Beste“ heraus, wird man keines der Systeme wirklich meistern.
Die TCM ist natürlich nicht „schlecht“. Sie bietet ebenfalls viel Weisheit und Potential. Aber für mich war sie immer wie ein gekürztes Hörbuch aus dem einige wichtige Passagen einfach herausgelassen wurden und das ich aus diesem Grund nicht wirklich verstehe.
Seitdem ich weiß, wie sie entstanden ist, wundert mich das nicht mehr.
Kleiner Nachtrag:
Den Ausdruck „TCM“ gibt es nur außerhalb von China. In China ist es einfach die chinesische Medizin, da es dort ja keine Alternativen gibt.
Und dass im Westen die TCM verwestlicht und an die Denkweise von uns Westlern angepasst wurde ist ja sowieso klar 😁
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Anja Krajewski
www.tierheilpraxis-morsbachtal.de