09/02/2026
Zum Europäischen Tag der Epilepsie richten wir den Blick auf eine Therapieoption, die zunehmend wissenschaftlich eingeordnet wird:
🌿 Medizinisches Cannabis bei Epilepsie: Evidenzbasiertes Potenzial statt Mythos
💡 Epilepsie zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Rund 30 Prozent der Betroffenen gelten als pharmakoresistent, sprechen also nicht ausreichend auf konventionelle Antiepileptika an – hier wächst der Bedarf an ergänzenden Therapieansätzen.
🔬 Was sagt die aktuelle Forschung zu Cannabinoiden?
🧠 Neuronale Übererregbarkeit im Fokus
Nicht-psychoaktive Cannabinoide wie CBD und CBDV aktivieren dosisabhängig den TRPV1-Rezeptor und desensibilisieren ihn rasch – ein Mechanismus, der zur Stabilisierung neuronaler Erregbarkeit beitragen kann (Iannotti et al., 2014).
⚖️ Mehr als klassische Cannabinoid-Rezeptoren
Die antiepileptische Wirkung von CBD scheint nicht primär über CB₁/CB₂ zu laufen, sondern über Interaktionen mit GPR55 und TRPV1, die zur erweiterten Cannabinoid-Rezeptorfamilie zählen (Devinsky et al., 2024).
💊 Relevant für die klinische Praxis
CBD kann den Abbau von Clobazam hemmen und dadurch dessen antikonvulsive Wirkung verstärken. Clobazam wird bei Kindern ab 2 Jahren und Erwachsenen als Zusatztherapie eingesetzt, wenn Standardbehandlungen nicht ausreichend wirken (Borowicz-Reutt et al., 2024).
🧪 Darüber hinaus zeigt CBD antiinflammatorische, neuroprotektive, antiapoptotische und antiepileptische Effekte, die für verschiedene Epilepsieformen von Bedeutung sein könnten.
📌 Fazit:
Medizinisches Cannabis – insbesondere CBD – ist kein Ersatz für etablierte Therapien, aber eine wissenschaftlich fundierte Ergänzungsoption bei ausgewählten Patient:innen. Entscheidend bleibt eine individuelle ärztliche Bewertung und evidenzbasierte Anwendung.