02/04/2026
Mehr Handlungsspielraum für die Offizin und zugleich Entlastung für die Praxen? 💊
Multimorbidität, komplexe Therapien und eine zunehmende ärztliche Unterversorgung stellen das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bleibt ein großes Potenzial bislang ungenutzt: die arzneimittelbezogene Expertise von Apotheker:innen.
Genau hier setzt das international etablierte Konzept der „Prescribing Pharmacists“ an.
Dabei übernehmen Apotheker:innen – unter klar definierten Rahmenbedingungen – zusätzliche Verantwortung in der Arzneimittelversorgung und können eigenständig verordnen. Das kann sinnvoll sein bei:
▪ Dauermedikationen
▪ klar eingrenzbaren Indikationen
▪ Wirkstoffaustausch aufgrund von Lieferengpässen
Ein Blick ins Ausland zeigt, was möglich ist:
In Ländern wie Kanada, Dänemark oder dem Vereinigten Königreich ist das Modell bereits etabliert. Dort stellen Apotheker:innen z. B. Rezepte aus für:
▪ unkomplizierte Harnwegsinfektionen
▪ Diabetes Typ 1 und 2
▪ dermatologische Erkrankungen wie Akne oder Ekzeme
▪ Allergien oder gastroösophagealen Reflux
▪ hormonelle Verhütung oder Raucherentwöhnung
Wichtig: Für das sogenannte „Independent Prescribing“ ist in der Regel eine zusätzliche Qualifikation erforderlich – sei es im Studium oder durch gezielte Fortbildungen. Die konkreten Befugnisse sind je nach Land unterschiedlich geregelt und oft klar begrenzt.
Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus auch für Deutschland?
Und in welchen Bereichen könnte ein solcher Ansatz hierzulande realistisch sein?
Diesen Fragen widmet sich Prof. Dr. Oliver Scherf-Clavel (LMU München) auf dem pharmacon-Kongress der Bundesapothekerkammer in Meran am 3. Juni.